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Polizeiaktion gegen Greifvogelkiller in Niederbayern

Immer wieder werden bei uns in Niederbayern Greifvögel vergiftet.
Ein Hotspot ist der Landkreis Dingolfing-Landau.
Darum läuft hier gestern ein Großeinsatz der Polizei.

Champ und Milow sind zwei Polizeihunde-Azubis.
Gestern sind die Vierbeiner im Einsatz.
Ihre Aufgabe:
vergiftete Köder aufstöbern.
Nachdem in der Region im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend getötete Greifvögel gefunden worden waren, will die Polizei präventiv gegen Wilderei vorgehen. Dafür rücken 15 Beamte unter anderem in Mengkofen (Landkreis Dingolfing-Landau) aus.
Neben Champ und Milow sind zwei weitere Spürhunde sowie zwei Drohnen beteiligt.
Auch zwei Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) sind dabei.

Greifvögel sind in Deutschland streng geschützt. Sie zu töten, zu verletzen oder ihre Brutplätze zu zerstören, ist verboten.
Bis zu fünf Jahre Haft drohen Tätern.
Die Aktion soll ein Signal an Wilderer sein:
«Wir nehmen das Thema ernst», sagt Polizeirätin Inge Roith aus Straubing. Straftaten würden konsequent verfolgt – allerdings sei es schwierig, Täter zu überführen.

Innerhalb weniger Monate waren in den Landkreisen Dingolfing-Landau, Straubing-Bogen und Deggendorf im Frühjahr 2021 mindestens zwölf Greifvögel vergiftet worden:
Wanderfalken, Habichte, Rotmilane und Mäusebussarde. Die Dunkelziffer ist dem LBV nach groß.

In der Nähe der toten Tiere lagen meist noch vergiftete Köder.
Diese künftig rechtzeitig aufzuspüren, ist das Ziel der Polizei. «Wir wollen die Köder finden, bevor Greifvögel sie fressen», erklärt Roith.
Außerdem können die Fleischstückchen auch für Hunde, Katzen oder Menschen lebensgefährlich sein.
Denn häufig würden sie mit dem hierzulande verbotenen Insektizid Carbofuran präpariert.

Deswegen tragen die Polizeihunde bei dem Einsatz Maulkorb: So können sie Köder zwar erschnüffeln, aber nicht verschlingen. Speziell auf Giftstoffe trainierte Hunde gebe es in Deutschland nicht, erzählen die Hundeführer von Champ und Milow. Ihre Schützlinge würden zu Rauschgiftspürhunden ausgebildet, zeigten aber auch Wurststückchen an. Eifrig schnuppernd laufen die Hunde durch das Gras und Gestrüpp entlang einem Spazierweg bei Mengkofen.
Noch haben sie nichts Verdächtiges entdeckt.

Aus der Luft sucht die Polizei die Felder und Wiesen mit Drohnen ab.
Das Bild aus der Kamera wird direkt auf einen Bildschirm im Polizeifahrzeug übertragen. Auch mit Wärmebildern können die Beamten arbeiten.
An diesem frostigen Morgen würden sich Köder von der Temperatur her jedoch nicht von der Umgebung abheben.
Weil die Suchobjekte eher klein sein dürften, lassen die Polizisten die Drohnen in niedriger Höhe schweben.

Die Polizei hofft, mit der Aktion Menschen für das Problem sensibilisieren zu können.
Täter wie auch Spaziergänger sollen über die Gefahren durch die Köder aufgeklärt werden. Denn auch ein Hund könne beim Gassigehen vergiftet werden.
Passanten, die verdächtige Gegenstände oder tote Vögel finden, sollen diese der Polizei melden und auf keinen Fall anfassen.

Aus Sicht von Naturschützern ist die Aktion ein großer Erfolg – auch wenn an diesem Tag wohl kein Täter auf frischer Tat ertappt werden dürfte.
«Wir sind der Polizei zutiefst dankbar», sagt Christian Stierstorfer von der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Straubing.
Ihm sei völlig unverständlich, weshalb Menschen Greifvögel mit Ködern töten wollen.
Ein eindeutiges Täterprofil gebe es nicht.

Pauschal Jäger oder Hühnerzüchter zu verdächtigen, die in den Greifvögeln Konkurrenten bei der Jagd oder Gefahren für ihre Nutztiere sehen könnten, lehnt Stierstofer ab.
Der Jagdverband distanziere sich ganz eindeutig von solchen Taten, sagt der LBV-Mann.
«Das ist für uns glaubhaft.» Täter könnten auch schlichtweg Tierhasser sein oder andere Motive haben. Stierstorfer selbst ist jedenfalls begeistert von den stolzen Vögeln:
«Greifvögel sind für mich der Inbegriff einer kraftstrotzenden Natur.»