Keine andere Wahl: Telefonzelle sagt leise Servus

Einsam zwischen ein paar Schneehaufen steht sie da:
Die letzte Telefonzelle in Neumarkt St. Veit.
Aber ihre Tage sind gezählt.
Die Telekom will die Telefonzelle demnächst abbauen, wegen fehlender Nachfrage.
Nur ein bis zwei Mal in der Woche sieht Stephan Liebl noch jemand in dem Häuschen.
Von seinem Haushaltswarengeschäft hat er einen direkten Blick auf die Zelle.

Die entsorgten Telefonzellen landen bei Potsdam.
Dort verkauft sie die Telekom übriges – aber nur an Selbstabholer.
450 Euro kostet das gelbe Original „TelH78“, das magenta-graue Modell „TelH90“ ist schon für 350 Euro zu haben, erzählt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.

Ende 2017 war die Zahl der öffentlichen Telefone nach Angaben der Bundesnetzagentur auf 23 000 gefallen.
Inzwischen gibt es nach Auskunft der Telekom gerade noch 17 000 öffentliche Telefonstationen in Deutschland.
Im Jahr 1992 waren es noch 120 000.
Rund 160 000 sollen es einmal in den 1970er und 1980er Jahren gewesen sein.

Dass mit dem Aus der guten alten Telefonzelle auch ein Stück Alltagskultur verschwindet, dämmert inzwischen auch jüngeren Leuten.
Auf manchen Facebookseiten haben Telefonhäuschen, vor allem die längst verschwundenen alten gelben Zellen aus Bundespost-Zeiten, längst so etwas wie Kultstatus erlangt.
„Wie oft habe ich in ihr gestanden und mit meiner Oma telefoniert:
„Komm mich holen. Hab in Mathe wieder eine Fünf““, schmachtet ein Facebook-Nutzer unter dem Bild einer Telefonzelle vor seiner früheren Schule.